Podcasts der Woche – Reality TV und Cannabis

SWR2 Wissen – Reality TV und die Folgen – Wie das Fernsehen die Zuschauer verwirrt

Oje. Hier ging bei SWR2 Wissen etwas daneben: Die Sendung basiert auf der Idee, dass bildungsferne Schichten die neuen Scripted-Reality TV-Formate für echt, authentisch und dokumentarisch halten. Das ist aber gar nicht der Fall, wie die Sendung unfreiwillig selbst demonstriert.

Sendungen im Fernsehen bewegen sich zwischen Fiktion (also frei Erfundenem) über Dokumentation bis zur Liveschaltung. Mittlerweile sind aber auch Kategorien dazwischen entstanden: So enthalten Dokumentarfilme neuerdings auch nachgespielte Szenen (Reenactments): Schauspieler spielen einzelne Szenen nach, wie sie gewesen sein könnten. Der Zuschauer soll sich dann besser vorstellen können, wie z.B. Napoleon seine Truppen befehligte.

Seit einiger Zeit gibt es aber auch Sendungen wie „Berlin Tag und Nacht“, bei der mit Wackelkamera dokumentarfilmartig das Leben rund um eine Berliner WG gezeigt wird. Dabei wird „scripted Reality“ eingesetzt: Es gibt ein Skript, nach dem sich die Laienschauspieler zu richten haben. Es gibt aber keine Zeilen, die die Schauspieler aufsagen müssen. Um noch mehr Authentizität zu erreichen, sind die Figuren sehr nah an den Schauspielern angelehnt. Die Geschichten selbst sind jedoch frei erfunden.

Die Macher der SWR-Sendung kommen zu dem Schluss, dass diese Nähe vom Schauspieler zur Figur, der Dokumentarfilmstil sowie die Vermarktung der Serie auf Twitter, Facebook und co die Zuschauer hinters Licht führen würde. Bei Berlin Tag und Nacht gibt es eine Führung zu den Orten, an denen die Serie gedreht wird. Die Redakteurin der SWR Sendung ist dabei und macht Interviews mit den Fans, die die Führung besuchen. Dabei wird klar, dass die Fans entweder sofort wussten, dass das eine erfunden Serie ist oder im schlimmsten Fall etwa zwei Wochen gebraucht haben, um zu erkennen, dass Berlin Tag und Nacht nicht „echt“ war.

Die Experten, die in der SWR-Sendung ebenfalls zu Wort kommen, äußern sich sehr besorgt über das Fernsehformat. Sie glauben:

  • Heranwachsende und Menschen aus bildungsfernen Schichten werden arglistig getäuscht. Durch die neuen Fernsehgewohnheiten erlernen sie ein falsches Bild von Beziehungen.
  • Heranwachsende müssen mit mehr Medienkompetenz ausgestattet werden, um solche Täuschungen zu erkennen.
  • Eine Kennzeichnungspflicht muss her, damit jeder erkennen kann, welche Art Sendung gerade läuft.

Gegen mehr Medienkompetenz ist selten etwas einzuwenden. Ansonsten aber scheint es, dass die Experten die Serienzuschauer unterschätzen…

Quelle: Sendung, Podcast, SWR2 Wissen

scobel – Cannabis

Die 3sat-Sendung „scobel“ ist kein echter Podcast, sondern eine Fernsehsendung, die sich praktischerweise auch als Videopodcast abonnieren lässt. Die Sendung besteht aus kleinen Filmbeiträgen und einem Diskussionsteil. Das aktuelle Thema ist Cannabis. Neben dem Für und Wieder, ob man Cannabis legalisieren sollte und wenn ja, wie, gibt es einige interessante Einblicke:

  • In der Sendung wird ein Patient interviewt, der seine ADHS-Erkrankung neben Ritalin auch legal mit Cannabis behandelt. Er ist einer von nur 600 Patienten, die Cannabis als Medikament nehmen (dürfen).
  • Hanf enthält sehr viele Substanzen, die aber wegen des Verbots der Pflanze offenbar unzureichend erforscht werden.
  • Cannabis ist derzeit erwiesenermaßen nur in der Schmerztherapie und bei grünem Star als Mittel gut erforscht.
  • Isreal hat kein Verbot von Hanf. Dort wird daran geforscht, eine Variante zu züchten, die kein Rauschmittel enthält.
  • Harry J. Anslinger
    Harry J. Anslinger

    Das Verbot von Cannabis hat eine interessante Geschichte. Im 19. Jahrhundert wurde in den USA viel Lobbyarbeit betrieben, um Hanf zu verbieten. Dabei ging es nicht nur um Politik, sondern handfeste Wirtschaftsinteressen. Der Vorsitzende des Federal Bureau of Narcotics, Harry J. Anslinger, arbeitete maßgeblich darauf hin, dass Hanf illegal wird. Dabei schlug er auch rassistische Töne an. Schwarze würden im Drogenrausch weiße Frauen vergewaltigen. Er verwendete immer das Wort „Marihuana“, um nicht Hanf zu verwenden. Kritiker werfen Anslinger vor, dass er das Verbot wegen seiner Verbindungen in die Wirtschaft betrieb. Diese hatte Interesse daran hatten, dass Hanf vom Markt verschwindet. So hatte z.B. der Zeitungsverleger William Randolph Hearst in Holz zur Papierherstellung investiert. Da wäre Hanf eine unliebsame Konkurrenz.

Quelle: Sendung, Podcast, Video „Warum wurde Cannabis verboten?“

Podcasts der Woche – Tennis und Partnerbörsen

BBC Documentaries – The Great Tennis Fix

Der BBC und das Onlineportal Buzzfeed haben von einem Whistleblower Informationen erhalten, wonach Tennisspiele manipuliert worden sein sollen, um dann mit Wetten auf den vorher ausgemachten Sieger hohe Gewinne zu erzielen. Viele Zeitungen berichten darüber, aber die meisten beschränken sich darauf, darüber zu spekulieren, welche Tennisspieler auf den ominösen Betrugslisten stehen. Bessere Informationen bietet diese Podcastsendung. Der Reporter Simon Cox ist nämlich derjenige, der die Unterlagen des Whistleblowers erhalten hat, über die jetzt diskutiert werden. In diesem Podcast fasst er zusammen, was er weiß.

Normale Buchmacher bieten Wetten an und die Wettkunden können die Wetten annehmen oder nicht. Anders ist das englische Online-Wettportal Betfair: Hier werden Wetten gehandelt. Jemand stellt eine Wette ein in der Art: „Ich setze 1.000 EUR auf den Sieg von Roger Federer und ich erwarte im Gewinnfall 1.100 EUR“. Wer der Meinung ist, dass Federers Gegner gewinnt, kann die Wette eingehen. Betfair tritt selbst nicht als Wettanbieter auf, sondern wickelt den Handel ab und übernimmt die Auszahlung, je nach sportlichem Ergebnis.

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Von HSV25Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Den Mitarbeitern von Betfair fiel auf, dass bei einer einzigen Partie in einem kleinen Turnier im polnischen Sobot Wetten für mehr als 7 Millionen Dollar abgeschlossen wurden. Das ist das 10fache dessen, was üblicherweise gesetzt wird. Damals spielte Nikolai Dawydenko, Nummer 4 der Weltrangliste, gegen die Nummer 76, Martín Vassallo Argüello. Dawydenko war trotz einer Verletzung der Favorit, gewann den ersten Satz mit 6-2 und lag im zweiten Satz vorne. Trotzdem wurden von nur zwei Accounts aus den USA mehr und mehr Wetten angeboten, die auf einen Sieg von Argüello ausgerichtet waren. Klar, dass sich genug Spieler fanden, die auf den Favoriten setzten. Betfair entschloss sich dazu, den Handel zu stoppen und allen Wetthändlern ihre Einsätze zurück zu geben. Ein Teil der Wetten war bereits ausbezahlt. Die ganze Vorfall wurde an die ATP (Association of Tennis Professionals) gemeldet.

"Martín Vassallo Argüello" by Esther Lim - Martín Vassallo Argüello. Licensed under CC BY-SA 2.0 via Commons.
Martín Vassallo Argüello“ by Esther LimMartín Vassallo Argüello. Licensed under CC BY-SA 2.0 via Commons.

Diese leitete eine Untersuchung ein. Weil man selber keine Experten hatte, wurden Ermittler aus der englischen Pferderennvereinigung (British Horseracing Authority) mit der Untersuchung beauftragt. Die Ermittler befragten die Veranstalter, Schiedsrichter, Trainer und Spieler. Einer der Ermittler berichtet im Podcast, dass er mit Hilfe eines Experten Kurznachrichten wiederherstellen konnte, die Argüello zwei Tage vor der Befragung von seinem Telefon gelöscht hatte. Fest steht, dass Argüello am Tag des Matches Kontakt zu einem sizilianischen Wetter hatte, der während des Spiels etwa 300.000 EUR gewann. Trotz der Untersuchungsergebnisse wurden die beiden Spieler nicht von der ATP geahndet.

Es scheint, als wären die aktuellen Enthüllungen vor allem dem Frust geschuldet, den die Ermittler haben: All die Arbeit, die in die Untersuchungen geflossen sind, finden keine Beachtung, weil die ATP sich nicht zu mehr Spielersperren durchringen kann.

Quelle: Sendung, Podcast, Artikel

SWR2 Forum – Wie hat das Internet die Partnersuche verändert?: Ein Warenkorb voll Singles

Die Antwort auf die Frage, wie das Internet die Partnersuche verändert hat ist: Gar nicht.

Im Forum diskutierten eine Dating-Expertin, ein Soziologe und ein Singleberater und die Gesprächsleiterin. Diese versucht immer wieder, die kontroverse These ins Spiel zu bringen, dass die Partnerbörsen im Internet die Liebe zu einer Konsumware machten, die Menschen abstumpfen ließen und letztlich beziehungsunfähig machten. Und jedes mal wird das von den Experten als nicht haltbar bis unsinnig zurückgewiesen. Es ist eben nicht so dass „dieses Internet“ die Menschen bei der Partnerwahl verändert.

Der unspektakuläre Stand der Forschung ist, dass sich die Menschen im Internet genauso verhalten wie vorher auch: Die meisten Partner finden sich über das Arbeitsumfeld, gefolgt vom Freundeskreis. Nur 10% finden sich über Partnerbörsen. Und wie früher bei Kontaktanzeigen, bringt das Internet die Menschen nur zueinander. Ob es passt, entscheidet sich beim persönlichen Kennenlernen. Früher musste man zum Tanzen oder auf Dorffeste gehen um dem anderen Geschlecht zu begegnen. Heute geht das etwas zielgerichteter mit Online-Partnerbörsen. Solch eine Börse kostet etwa 50 EUR im Monat. Im Durchschnitt investieren die Teilnehmer zwischen 300-500 EUR, um den oder die Richtige zu finden. Günstige Partnerbörsen zielen eher auf Flirts oder erotische Abenteuer ab. Üblicherweise sind dort die Photos der Teilnehmer vorhanden, während bei Angeboten für längerfristige Partnerschaften Bilder erst nach Freigabe zu sehen sind. Die Gesprächsrunde ging auch auf neue Trends ein, wie die Smartphone App „Tinder“. Sie zeigt eine Liste von Singles in der Nähe an. Mit einem Wisch nach links sortiert man die Person aus, ein Wisch nach rechts bekundet Interesse. Dieser spielerische Umgang sei aber keine Partnersuche, eher ein Austesten des eigenen „Marktwertes“, waren sich die Diskutanten einig.

Es ist schön zu sehen, dass all die Vorbehalte von Personen, denen  „dieses Internet“ immer noch suspekt ist, komplett haltlos sind. Je mehr man sich mit dem Thema Partnerbörsen auseinandersetzt, um so unaufgeregter wird es. Denn: Auch das Internet bringt nicht den perfekten Partner auf Knopfdruck.

Quelle: Sendung, Podcast

Podcasts der Woche – Krieg und Wirtschaft, Satanisten und spannende Geschichten

BBC Business Daily: Business Lessons on War

Im Interview mit dem ehemaligen 4-Sterne-General Stanley McChrystal versucht die BBC Reporterin herauszufinden, ob man aus den Erfahrungen, die er während seines Einsatzes in Afghanistan gemacht hat, Lehren für die Arbeitswelt ableiten kann. McCrystal erzählt, dass er am Anfang jede Operation einzeln genehmigt hat und schnell gemerkt hat, dass das zu langsam war. Die Lösung war, Einsatzentscheidungen zu delegieren. Das schien zunächst einfach zu sein, aber die neuen Entscheidungsträger mussten mit sehr viel mehr Informationen als bisher versorgt werden. Außerdem stellte es das ganze militärische Konzept von Befehl und Gehorsam auf den Kopf. Die untersten Dienstgrade waren begeistert und die obersten verständnisvoll, aber die mittlere Führungsschicht war stark verunsichert.

McCrystal wurde 2010 von Präsident Barack Obama entlassen, weil er sich in einem Interview im Rolling Stone Magazin kritisch über die Regierung geäußert hat. Seitdem ist er an der Universität Yale, gibt dort Kurse in „Leadership“ und berät Unternehmen. Er hält die Erfahrungen des Militärs für übertragbar auf die Wirtschaft. Unternehmen müssten ebenfalls in der Lage sein, ihre internen Strukturen zu ändern, um in neuen Situationen erfolgreich zu sein. Genau wie beim Militär würde eine Änderung in der Entscheidungsstruktur nicht über Nacht kommen, sondern müsse von oben vorgelebt werden und sich so nach und nach durch die gesamte Struktur übertragen.

Quelle: Sendung, Podcast

Stuff You Should Know: The „Satanic Panic“ of the 1980s

Der Podcast „Stuff You Should Know“ handelt nicht wirklich von Sachen, die man wissen sollte. Interessant sind viele Folgen aber trotzdem. In lockerem Gesprächsstil unterhalten sich Charles und Josh über ein Thema, das sie zuvor recherchiert haben.

Wer die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts durchlebt hat, wird diese Folge besonders interessant finden. Die „Satanic Panic“ war eine Zeit der Hysterie in den USA, die heute etwas schwer zu erklären ist. Anfang der 80er Jahre dachten viele in den USA, es gäbe Gruppen von religiösen Teufelsanbetern, die Kinder entführen und umbringen, dabei satanische Rituale durchführen und schwarze Messen zelebrieren würden.

Wie konnte es zu der Hysterie kommen? Es scheint, als ob viele Faktoren zusammen kamen, die das Thema so in den Vordergrund getragen haben.

Zum einen haben Anfang der 70er Jahre in vielen Familien die Frauen aufgehört, Hausfrauen zu sein. Sobald die Kinder ein gewisses Alter erreichten, wurde wieder gearbeitet. Kinder, die zuvor zu Hause von den Müttern betreut wurden, wurden jetzt tagsüber in Kindertagesstätten (day care centers) beaufsichtigt. In der gleichen Zeit wurde ein Gesetz eingeführt, nachdem Ärzte alle Fälle von Kindesmissbrauch melden mussten. Während es vorher in den USA im Jahr ca 64.000 Fälle von Kindesmissbrauch gab, wuchs diese Zahl innerhalb kurzer Zeit auf etwa drei Millionen an. Das führte bei Eltern zu einer Verunsicherung: Ist mein eigenes Kind gut betreut? Können wir uns sicher sein, dass die Betreuer nichts anstellen?

Andererseits gab es, bedingt durch Horrorfilme (1968 – Rosemarys Baby, 1973 – Der Exorzist usw.) und Rockmusik, mehr und mehr Darstellungen von satanistischen Symbolen.

Im Jahr 1978 kam es zu dem spektakulären Massensuizid von Jonestown. Der Anführer der Sekte „Peoples Temple“, Jim Jones, hatte den Selbstmord in seiner Kommune befohlen. Mehr als 900 Menschen haben sich ermordet oder wurden umgebracht. Unter den Opfern waren auch Säuglinge, Kinder und Jugendliche. Zwar fanden die Ereignisse in Guyana statt, aber durch den Besuch eines US Kongressabgeordneten mit Filmteam war die Berichterstattung umfangreich.

Unterdessen stiegen in den USA die Anzahl der Gerichtsprozesse wegen Kindesmissbrauch. Der Fall der McMartin Preschool ging besonders durch die Medien. Aus dem Verdacht von Kindesmissbrauch in einem konkreten Fall wurden immer mehr Anschuldigungen mit zum Teil irrwitzigen Vorwürfen. Die Ankläger warfen den Lehrern vor, Kinder sexuell missbraucht zu haben und dabei mit Roben und Masken verkleidet, satanistische Rituale durchgeführt zu haben. Nach sechs Jahren wurden die Verdächtigen freigesprochen. Das Thema war jedoch in den Medien der Zeit allgegenwärtig. Jede Talkshow hatte einen Experten für Satanismus. Diese Experten veröffentlichten Bücher, traten in Sondersendungen auf und heizten die Stimmung noch mehr an.

Erst Anfang der 90er Jahre war die Hysterie langsam abgeebbt: Es stellte sich heraus, dass die Vorwürfe in den meisten Prozessen haltlos waren. Es gab auch keine satanistischen Sekten, die massenweise Kinder missbrauchten oder gar umbrachten.

Quelle: Sendung, Artikel, Podcast

The Gist: Near Death Winter Tales

„The Gist“ ist eine tägliche Sendung, in der Mike Pesca mit Interviewpartnern im Studio spricht. Zu seinen Gästen gehört auch der Autor und Geschichtenerzähler Matthew Dicks. Bei seinem zweiten Auftritt bei „the Gist“ erzählt er eine Kurzgeschichte: Im Winter 1988, am 23. Dezember, kauft er Weihnachtsgeschenke für seine Freunde. Danach macht er sich mit dem Auto auf den Weg zur Arbeit. Weil er aber spät dran ist, muss er sich beeilen und vergisst das Anschnallen. In einer Kurve gerät er auf Schnee und Eis ins Rutschen und kracht frontal auf ein anderes, entgegenkommendes Fahrzeug. Durch den Unfall wird er schwer verletzt. Er kann zwar noch aussteigen und sich mit Zeugen des Unfalls unterhalten, wird aber ohnmächtig. Im Krankenhaus wacht er wieder auf. Er muss über Weihnachten dort bleiben und kann seine Geschenke nicht überbringen.

Ganz im Gegensatz zu mir kann Matthew Dicks‘ die Geschichte so erzählen, dass sie spannend ist. Das besondere ist aber, dass er im Gespräch mit Mike Pesca erklärt, warum die Geschichte interessant und spannend für Zuhörer ist. Wie bringt er die Zuhörer dazu, dabei zu bleiben? Zum Beispiel hat jede Handlung einen Ort, der ganz kurz beschrieben wird. Am Anfang der Geschichte tritt die Hauptfigur aus „Strawberry Records“ mit einer Einkaufstüte. Sein Freund Pat kommt ihm auf dem Gehweg entgegen. Und auch wenn man nicht genau weiß, wie dieser Musikladen 1988 ausgesehen haben mag, hat man sich doch automatisch ein Bild im Kopf. Auch für den Verlauf der Geschichte hat Matthew Dicks einige Tipps. Durch die Abwechslung von schönen Momenten und dem Horrorcrash, der in der Geschichte den Höhepunkt bildet, kann er die Emotionen der Zuhörer beeinflussen. Zu guter Letzt verrät er, dass seine Geschichte sehr ähnlich zu dem Film Jurassic Park ist, denn auch dort werden die gleichen Erzähltechniken verwendet.

Quelle: Sendung, Podcast

Phonehacking, Axtmörder und die Royals – Teil 1

Der Skandal um gehackte Telefone, die Zeitung „News of the World“ und Rupert Murdoch hat in England 2011 sehr hohe Wellen geschlagen. Bei uns fand dieser Vorgang jedoch weniger Beachtung.

Was war passiert? Die Geschichte begann sehr früh: 1968 kaufte der australische Zeitungsverleger Rupert Murdoch die englische Zeitung „News of the World“ und im Jahr darauf „The Sun“. Beide wandelte er zu Boulevardblättern um.

Das Boulevard lebt von Skandalen,

und Skandale leben davon, dass Zeitungen etwas enthüllen, was den Betroffenen nicht recht sein kann. Redakteure der „News of the World“ hatten sich über die Jahre ein Netz von Informanten zugelegt, die sie mit heiklen Informationen versorgen. Je besser die Information, um so besser die Bezahlung. Jonathan Rees war so ein Informant, der ab den 1990er Jahren nicht nur einfach Tipps weiter gegeben hat, sondern selbst aktiv auf der Suche nach Informationen war. Zusammen mit dem später ermordeten Daniel Morgan gründete er das  Detektivbüro „Southern Investigations“, welches die News of the World, den Daily Mirror und den Sunday Mirror mit auf illegale Weise beschafften Informationen versorgte. Er verdiente damit etwa 150.000 Pfund pro Jahr (ca. 175.000 €). Sein Kontakt bei der „News of the World“ war der Redakteur Alex Marunchak. Dem konnte jedoch nie nachgewiesen werden, dass er wusste, mit welchen Mitteln sich Rees Informationen verschaffte.

Jonathan Rees
Jonathan Rees

Wie kam Rees an Informationen?

  • Kontakte bei der Polizei verkauften ihm verbotenerweise Informationen.
  • Er beschäftigte Blagger. Diese rufen unter falschem Namen bei Banken, Versicherungen, Finanzämtern, Telefongesellschaften oder Zulassungsbehörden an und versuchen die Gesprächspartner mit Tricks dazu zu bewegen, ihnen Informationen zu geben. So wurden z.B. die Kontoinformationen der königlichen Familie gestohlen.
  • Er gab Einbrüche in Auftrag. Bei einem Einbruch in eine Anwaltskanzlei wurden Unterlagen gestohlen, aus denen später nachweislich Informationen bei „News of the World“ auftauchten.
  • Er lies Computer hacken. Bekannt wurde, dass der Computer des Geheimdienstoffiziers Ian Hurst über eine E-Mail infiziert wurde, die einen Trojaner enthielt.
  • Er betätigte sich als „Phonehacker“.

Wie funktioniert „Phonehacking“?

Anders als der Name sagt, werden Telefone nicht „gehackt“, sondern man verschafft sich unerlaubt Zugriff auf die Nachrichten, die von den Anrufbeantwortern der Mobiltelefone aufgezeichnet wurden.

Um das zu erreichen, muss zunächst die Telefonnummer des Opfers herausgefunden werden. Je nach Telefongesellschaft, bei der die Nummer registriert ist, ruft man dann die zentrale Servicenummer an, die damals oft auch per Festnetz zu erreichen war. Dort gab man zur Identifikation die Mobilnummer sowie eine 4-stellige PIN an. Wenn der Besitzer der Mobiltelefonnummer diese nicht verändert hatte, konnte man die Standard-PIN des Telefonanbieters verwenden und die Nachrichten abhören.

Falls die PIN geändert wurde, versuchte man es mit den gängigsten Nummern wie 0000 oder 1234, oder dem Geburtstag des Opfers bzw. einer ihm nahestehenden Person. Falls das nichts half, konnte man noch beim Kundendienst anrufen und einfach behaupten, man wäre der Besitzer des Telefons und ein Rücksetzen der PIN auf die Standard-PIN erwirken.

Mitte der 2000er stellten die Telefonanbieter um. Ab dann konnte man nur noch vom Mobiltelefon selbst die Nachrichten abrufen. Dazu wurde die „Caller-ID“ verwendet: Das Telefon sendet die eigene Nummer an den Anrufer und der Anrufer kann dann vor Annehmen des Gesprächs sehen, wer da anruft. Wenn man technisch versiert ist, ist es jedoch nicht besonders schwer, eine andere Nummer als die eigene zu übermitteln (Caller-ID Spoofing).

Erst ab 2011 wurde das Verfahren geändert. Bevor der Anrufbeantworterdienst benutzt werden kann, muss eine PIN eingerichtet werden.

Podcasts der Woche – Ratgeber, Sucht

SWR2 Aula: Ich rate Ihnen zu einem Ratgeber mit gutem Rat: Über das Gelingen

Der Arzt und Psychotherapeut Manfred Lütz hatte genug von den ganzen Ratgebern zum Thema Glück und wie man es findet. Daher hat er sein eigenes Buch geschrieben und bringt darin viel von seiner Praxiserfahrung als Therapeut unter.

Die Sendung ist allerdings viel weniger ernst, als es der Titel vermuten lässt. So wurde er von einem Reporter gefragt, ob er etwas zum „Burnout“ sagen könne, unter dem die Menschen leiden. Lütz antwortete, dass es diese Krankheit nicht gäbe. Daraufhin fragt der Reporter verdutzt, ob aber die ständige Erreichbarkeit nicht Stress verursachen würde. Lütz antwortete, dass man die Kirche mal im Dorf lassen solle. Im Dreißigjährigen Krieg sei man jederzeit für die Schweden erreichbar gewesen, was garantiert sehr viel stressiger gewesen sein dürfte…

Quelle: Sendung, Podcast

Radiolab: The Fix

Was wäre, wenn man eine Sucht, z.B. Alkoholismus oder Kokainabhängigkeit, mit einem Medikament ausschalten könnte? Es gibt Drogen, die das bewirken, aber sie werden selten verschrieben. Dazu gehört Baclofen, ein Muskelralaxanz, das der französische Arzt Olivier Ameisen im Selbstversuch zur Behandlung seiner Alkoholsucht angewendet hat. Eine Journalistin des Radiolab entdeckte sein Buch „Das Ende meiner Sucht“ zufällig in einer Buchhandlung, und hat mit ihm telefoniert. In der Sendung kommen noch weitere Personen zu Wort, deren jahrelange Sucht über Nacht unterbrochen wurde. Nicht immer wendet sich das zum Guten.

Wie bei Radiolab üblich bleibt es jedoch nicht einfach bei dem Bericht, sondern es geht auch immer um den tieferen Kern des Problems. Wie es sein kann, dass die Medikamente, die immerhin seit 1994 in den USA zugelassen sind, keine breite Anwendung gefunden haben, so wie z.B. Prozac bei Depressionen?

Und: Wieso gibt es überhaupt Süchte? Sind sie eigentlich für irgend etwas nützlich? Dr. Anna Rose Childress (University of Pennsylvania) beantwortet die Frage so: Wenn Mangel herrscht, dann sei es die Sucht, die den Menschen dazu motiviert, sich besonders anzustrengen, um zum Ziel zu kommen. Menschen, die zur Sucht neigen, sollten in diesen Situationen eigentlich einen evolutionären Vorteil haben. Aber immer dann, wenn der Stoff im Überfluss vorhanden sei, schlage dieser Vorteil ins Gegenteil um.

Quelle: Sendung, Podcast

Podcasts der Woche – Polen, Blackberry, Serial Staffel 2

SWR2 Forum: Wohin steuert Polen?: Alleinherrscher Kaczyñski

Vermutlich geht es vielen so: Über Polen weiß man wenig bis gar nichts. Obwohl, da war doch dieser Flugzeugabsturz, bei dem die politsche Elite des Landes ums Leben kam, darunter auch der Präsident Lech Kaczyński. Sein Zwillingsbruder Jarosław war nicht in der Maschine. Das war 2010. In diesem Jahr wurde wieder gewählt in Polen. Die nationalkonservative Partei der beiden Brüder, PiS (Recht und Gerechtigkeit) hat die Wahl gewonnen. Und Jarosław Kaczyński gilt als der Strippenzieher in der Politik. Seit der Wahl ist die Partei dabei, ihr rechtspopulistisches Programm durchzuziehen. Die Diskussionsrunde im SWR2 Forum versucht, eine Einschätzung abzugeben, ob und wie besorgniserregend die Situation ist.

Quelle: Sendung, Podcast

BBC Business Daily: The falling out behind Blackberry’s fall

Derzeit ist es in Mode, über die Helden der Wirtschaft zu berichten. Nach dem Tod von Steve Jobs, dem Mitgründer von Apple, sind einige Dokumentar- und Spielfilme über sein Leben erschienen. Auch andere Unternehmen haben offenbar interessante Führungspersönlichkeiten. So hat Jacquie McNish ein Buch über die Gründer von Research in Motion (RIM), den Hersteller des Blackberry Smartphones, geschrieben. Im Interview mit der BBC erzählt sie, wie die kleine Firma RIM in kürzester Zeit über alle Maßen gewachsen ist, wie die Gründer kaum mit ihrem eigenen Erfolg Schritt halten konnten, und wie die Firma wieder an Bedeutung verlor, alles innerhalb von 10 Jahren.

Quelle: Sendung, Podcast

Serial: Staffel 2

Über Serial habe ich bereits geschrieben. Jetzt gibt es eine neue Staffel dieser Serie. Dabei geht es um den amerikanischen Soldaten Bo Bergdahl, der in Afghanistan stationiert war. Eines Tages beschließt er, sich von seinem Posten zu entfernen. Die Taliban werden auf ihn aufmerksam und nehmen ihn gefangen. Nach fünf Jahren in kommt er frei. Im Podcast geht es um die Frage, was Bergdahl dazu bewogen hat, sich auf den gefährlichen Weg zu machen.

Quelle: Webseite, Podcast

Podcasts der Woche – Superreiche, Gewalt als Epidemie

SWR2 Forum: Geld für die Welt – Wie hilfreich sind die Superreichen?

Das SWR2 Forum ist eine Diskussionssendung vom Südwestrundfunk. Die Themen sind meistens anlassbezogen. In diesem Fall ist es die Ankündigung des Facebook-Milliardärs Mark Zuckerberg, seine Anteile am Unternehmen für gute Zwecke zu geben. Er plant, mit dem Geld eine Stiftung einzurichten.

Im SWR2 Forum wird über die Stiftungen der Superreichen diskutiert. Welche Ziele verfolgen sie? Was bewirken sie? Sind solche Stiftungen nicht undemokratisch?

Angenehm ist, dass die meisten Diskussionen im SWR2 Forum nicht auf Konfrontation von Meinungen ausgerichtet sind (anders als im Fernsehen). Das macht es einerseits angenehm, zuzuhören und andererseits ist der Informationsgehalt viel höher.

Quellen: Sendung, Podcast

Gary Slutkin: Let’s treat violence like a contagious disease

Der amerikanische Mediziner Gary Slutkin hat jahrelang auf dem Feld der Epidemiebekämpfung gearbeitet. Als er aus der dritten Welt wieder in die USA zurückkehrt, wird er auf das Problem der Gewalt aufmerksam. Dabei fällt ihm auf, dass die Statistiken und Landkarten zu dem Thema eine Ähnlichkeit zu dem Material aufweisen, dass er von Epidemien kennt. Wenn es sich aber um ähnliche Phänomene handelt, kann man vielleicht beide mit den gleichen Mitteln bekämpfen? Es stellt sich heraus: Man kann.

Wenn man Gewalt wie eine Infektionskrankheit betrachtet bedeutet das, dass man die Ansteckungsgefahr erkennen und im richtigen Moment einschreiten muss. Seit 2004 gibt es in Chicago ein Projekt namens CeaseFire, welches versucht, die Gewaltspiralen zu unterbrechen. Immer wenn eine Schießerei stattgefunden hat, versuchen die Sozialarbeiter, sog. „Violence Interrupters“, Kontakt mit den Familien und Hinterbliebenen aufzunehmen und Racheakte zu verhindern. Wie schwierig das ist, zeigt der Dokumentarfilm „The Interrupters“: Viele Familien sind stark zerrüttet. Gewalt ist allgegenwärtig und generationenübergreifend. Auch die Interrupters sind in dieser Welt groß geworden, viele waren selbst Täter und Opfer und fast alle haben mehrjährige Gefängnisstrafen hinter sich. Aber gerade dadurch können sie die Menschen in den Problemvierteln erreichen.

Szene aus "The Interrupters"
Szene aus „The Interrupters“

Quellen: Vortrag, Trailer „The Interrupters“

Podcasts der Woche – Kometen, Startup, Selbstversuche

Fred Jansen: How to land on a comet

Fred Jansen

Am 12. November 2014 gelang es dem Team der Rosetta-Mission, die Sonde Philae auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko abzusetzen. In seinem TED-Vortrag gibt der Missionsmanager Fred Jansen eine gute und knappe Zusammenfassung dieser außergewöhnlichen Leistung.

Quellen: TED Vortrag, ESA-Mission Rosetta, Wikipedia

 

Startup: Wie man’s nicht macht

Alex Blumberg will sein eigenes Unternehmen zur Produktion von Podcasts gründen. Er steigt aus seinen bisherigen Job aus, nimmt sein Erspartes und legt los. In seinem Podcast „Startup“ erzählt er über mehrere Folgen, wie es ihm dabei ergeht. Gleich in der ersten Episode versucht er, einen Investor von seiner Idee zu begeistern, was gehörig schief geht…

Quellen: Podcast, Webseite der Serie

 

Am eigenen Leib: Selbstversuche in Naturwissenschaft und Medizin

SWR2 Wissen gibt einen Abriss über die Geschichte der Selbstversuche in der Wissenschaft. Von Alexander von Humboldt, der auf einen Zitteraal mit den Füssen berührt hat, über Johann Wilhelm Ritter, der sich überall Elektroden hineingesteckt hat, um die Wirkung von Elektriztät am menschlichen Körper zu erforschen, bis hin zu Werner Forßmann mit seinem Herzkatheter. Wohl dem, der schon gefrühstückt hat…

Quelle: Sendung, Podcast, SWR2 Wissen

Ideen mit Verbreitungswert

Seit April 2007 gibt es TED.com, eine Seite im Internet, auf der interessante Vorträge kostenlos und ohne Anmeldung für jeden zugänglich sind. Die Themen reichen von Technologie, Wissenschaft über Politik, Wirtschaft, Kunst, Kultur bis zur Komik. Ein typischer Vortrag ist nicht länger als 18 Minuten. Mittlerweile gibt es über 1000 Videos, und viele davon haben auch deutsche Untertitel.

565px-TED_wordmark.svgTED steht für Technologie, Entertainment und Design und ist eine internationale Konferenz, die 1984 von dem Architekten und Designer Richard Wurman gegründet wurde. Zunächst lag der Fokus auf Technik und Design, mit entsprechenden Fachvorträgen. Ab 1990 fand die Konferenz jährlich statt und wurde um die Themen Wissenschaft, Philosphie, Musik und Religion erweitert. Die Teilnehmerzahlen nahmen beständig zu. Aus Altersgründen suchte Wurman einen Nachfolger und übergab die Leitung von TED im Jahr 2000 an die Sapling Stiftung. Chris Anderson ist der Kopf der Stiftung, deren Zweck darin besteht, „großartige Ideen zu verbreiten”. Getreu dem Motto gibt es seit 2007 die Webseite mit den aufgezeichneten Vorträgen, die TED einem viel größeren Publikum bekannt gemacht hat. Nach wie vor findet die Konferenz an der nordamerikanischen Pazifikküste statt (2015 in Vancouver). Es gibt jedoch zahlreiche Ableger, die überall auf der Welt gehalten werden.

Trotz der Erfolge gibt es auch die Kritik, TED sei ein elitärer Zirkel. Die Jahresmitgliedsgebühr beträgt derzeit 8.500 Dollar und es werden nur Personen zugelassen, die „in die Gemeinschaft passen”. Ebensogut kann TED die Mitgliedschaft ohne Angaben von Gründen wieder kündigen.

Der Titel „Ideen mit Verbreitungswert” ist Programm. In jedem Vortrag steht eine konkrete Idee im Vordergrund. Die Videos starten sofort mit dem Vortrag, es gibt keine Begrüßung, Einleitung oder Vorstellung. Wer etwas über die Person, die da vorträgt, erfahren möchte, muss auf der Webseite des Vortrags nachlesen.

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Hans Rosling

Das Archiv verfügt über zahlreiche gute Vorträge. Zum Beispiel von Hans Rosling „The best stats you’ve ever seen„. Er nimmt Zahlen von UNO und Weltbank und bereitet diese in eindrucksvoller grafisch Weise auf. Durch die bessere Darstellung zeigt er, in welchen Entwicklungs- und Schwellenländern sich Wohlstand gebildet hat (und in welchen nicht). So ist beispielsweise das Vorurteil, Afrika gehe es schlecht, falsch. Es gibt dort Länder, die perfekt als Urlaubsland für den anspruchsvollen Europäer geeignet sind, und andere, die nicht aus der Armut herauskommen. Dank der Zahlen und Grafiken ergibt sich ein viel genaueres und damit besseres Bild.

Es gibt auch humorvolle Beiträge, wie die von Sir Ken Robinson über Bildung und Schulsysteme: „How schools kill creativity“ und „How to escape education’s death valley„. Oder Marc Abrahams über einen ganz speziellen Nobelpreis: „A science award that makes you laugh, then think„.

Natürlich sind auch viele ernste Themen vertreten: Zum Beispiel Rose George „Let’s talk crap. Seriously.„, Catherine Crump „The small and surprisingly dangerous detail the police track about you„, Nikolai Begg: A tool to fix one of the most dangerous moments in surgery, Jeremy Howard „The wonderful and terrifying implications of computers that can learn„, William Black „„, Joy Sun „Should you donate differently?„, …

Auch gibt es Vorträge mit praktischen Tipps, zum Beispiel wie man durch Übungen selbstbewusster werden kann: Amy Cuddy „Your body language shapes who you are“ oder einfach, wie man sich die Schuhe richtig zubindet.

Sehr kurios ist auch der Beitrag von Thomas Hellum über das langweiligste norwegische Fernsehprogramm und wie es die höchsten Einschaltquoten erreicht hat: „The world’s most boring television … and why it’s hilariously addictive„.

Wer bei der Fülle von Vorträgen den Überblick verliert, kann sich auch per Zufall einen auswählen lassen, oder eine der vielen Listen aufrufen.

Von TED gibt es auch eine App, mit der man sich Vorträge auf das Mobiltelefon oder Tablet herunterladen kann. Wer jemals im Wartezimmer, an der Bushaltestelle, im Zug oder der Straßenbahn Zeit übrig hatte, kann mal eben schnell einen spannenden Vortrag hören.

Serial – Podcast über ein wahres Verbrechen

serial_logo Der mit Abstand erfolgreichste Podcast der letzten Zeit ist die amerikanische Serie „Serial“, zumindest wenn es nach der Statistik von Apple geht: Über 5 Millionen Menschen haben die 12 Folgen heruntergeladen, eine ungewöhnlich hohe Zahl für einen Podcast.

Es geht um einen echten Mordfall: Am 13. Januar 1999 verschwand die 18jährige Hae Min Lee, eine Schülerin der Woodlawn High School in Baltimore, Maryland. Einen Monat später wurde ihr Leichnam in einem Park gefunden. Ihr 17jähriger Exfreund, Adnan Syed, wurde verurteilt und zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt. Das Urteil stützte sich hauptsächlich auf die Aussage von Jay, eine Freund von Adnan, der ausgesagt hat, Adnan hätte den Mord begangen und ihn danach angerufen, und gemeinsam hätten sie die Leiche begraben. Adnan selbst bestreitet das bis heute und beteuert seine Unschuld. Viele, die Adnan kannten, zweifeln an seiner Schuld.

Ein Jahr lang haben die Journalistinnen Sarah Koenig, Julie Snyder und Dana Chivvis recherchiert und das Material zu dem Fall gesichtet. Sie haben mit Zeugen gesprochen, haben den Fundort des Opfers besichtigt, mit Ermittlern des Falles sowie Experten gesprochen und versucht, sich ein eigenes Bild zu machen. Sarah Koenig hat auch Adnan selbst mehrfach interviewt. Und immer bleibt die Frage: War er es oder war er es nicht?

serial_ep01_cardIn jeder Folge erfährt man ein etwas mehr über den Fall und die Hintergründe. Adnans Eltern sind Muslime und aus Pakistan eingewandert. Sie erwarten von ihren Kindern, dass sie anständig aufwachsen. Das bedeutet Mitarbeit in der Glaubensgemeinde und Abstand zu Mädchen. Aber wie die meisten Teenager in seinem Umfeld spielt Adnan zu Hause den braven Sohn, aber trifft sich heimlich doch mit Mädchen oder raucht mit Freunden Gras. Adnan hat eine feste Freundin, Hae (gesprochen: Hej). Aber sie trennt sich im November 1998 von ihm und kommt mit einem anderen, älteren Jungen zusammen. Die neue Beziehung geht nur wenige Wochen, bevor Hae am 13. Januar 1999 verschwindet. Wir erfahren etwas über die Suche nach ihr und die merkwürdigen Umstände, die zum Fund der Leiche geführt haben. Nun steht fest: Es war Mord. Hae ist erwürgt worden. Adnan rückt schnell in den Kreis der Verdächtigen, nachdem die Polizei in Erfahrung bringt, dass das Opfer die Beziehung zu ihm beendet hat. Sein Motiv: Er ist der frustrierte Geliebte, der sich an ihr gerächt hat.

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Über True Crime zu berichten ist an sich nichts neues. Truman Capote hatte schon 1965 in seinem Buch „In Cold Blood“ (auf deutsch „Kaltblütig“) mit der journalistischen Aufarbeitung eines wahren Verbrechens großes Interesse geweckt. Das besondere am Serial-Podcast ist jedoch, dass man als Zuhörer das Gefühl hat, Sarah Koenig und ihren Kolleginnen über die Schulter schauen zu können. Man erfährt viel über die Recherche und die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind. Es ist sehr schwer für Zeugen, sich an lange zurückliegende Ereignisse zu erinnern. Wer weiß schon, was für sechs Wochen an einem bestimmten Tag passiert ist, wenn man zu dem Zeitpunkt noch gar nicht weiß, dass es ein besonderer Tag war? Die Journalistinnen teilen ihre Überlegungen und Bedenken, sie versuchen zu ergründen, ob ein bestimmter Umstand für oder gegen die Schuld von Adnan spricht. Welche möglichen Erklärungen kann es für einen bestimmten Telefonanruf geben? Kann es sein, dass etwas Unwahrscheinliches an genau diesem Tag passiert ist?

Die Folgen des Podcasts liefen von Oktober bis Dezember 2014 und waren nicht fertig vorproduziert und wurden dann ausgestrahlt (bzw. ins Netz gestellt) sondern wurden Woche für Woche aufgenommen. Durch den Erfolg der Serie und die daraus entstehende Aufmerksamkeit kam es dazu, dass sich während der Serie noch Zeugen gemeldet haben, auf die Sarah Koenig auch eingeht. Man erwartet ein großes Finale, vielleicht den einen Zeugen, der gesehen hat, was wirklich passiert ist. Aber den gibt es nicht. Die Frage, ob Adnan den Mord wirklich begangen hat oder nicht, kann nicht geklärt werden. Koenig kommt aber doch zu dem Schluss, dass, selbst wenn Adnan die Tat begangen haben sollte, im Zweifelsfall für den Angeklagten hätte entschieden werden müssen.

Es ist schon etwas erstaunlich, dass der Podcast so erfolgreich ist. Es ist eben keine Sendung, die man mal so nebenher hören kann.  Denn wer dem Fall folgen will, muss sich schon sehr konzentrieren. Aber wer sich aber darauf einlässt, wird gefesselt werden.


Quellen: Serial Podcast, Spiegel-Bericht über Serial, Washington Post, the New Yorker