Let’s Play: Vom Computerspiel zurück zum Film

Seit einiger Zeit gibt es im Internet Videos von Computerspielern, die sich selbst dabei filmen, wie sie die neuesten Computer- und Videospiele spielen. Der Trend hat auch deutschsprachige Spieler erreicht: „Let’s Play“ ist der Suchbegriff für diese Inhalte. Die Stars der deutschen Szene sind Gronkh und Sarazar, zwei junge Männer, die Sportjournalisten gleich ihre Spielerlebnisse kommentieren. Bis zu 3,3 Millionen Fans haben sich angemeldet, um über die neuesten Videos von Gronkh auf dem laufenden zu bleiben. Damit werden  Einschaltquoten erreicht, die den Vergleich zu durchschnittlichen Fernsehsendungen nicht zu scheuen brauchen. Und wie beim Fernsehen verdienen auch die „Youtuber“ Geld mit Werbung. Offenbar genug, dass es zum Leben reicht, wie sie im Interview bei Stefan Raab berichten.

Früher mussten sich Interessenten für ein Computerspiel die Demoversion herunterladen. Dank der „Let’s Play“ Filme ist das nicht mehr nötig.

Aber es gibt noch einen anderen Effekt: Spiele, die eine Geschichte mit cineastischen Stilmitteln erzählen, werden durch die Spieler zurückübersetzt zu Filmen. Das Ergebnis ist so, als würde man einen Spielfilm anschauen bei dem ein Freund andauernd in die Pausen reinquasselt. Je besser seine Kommentare, umso unterhaltsamer das Ganze.

Sarazar spielt Alien Isolation: Bei so viel Horror ist die Spannung kaum auszuhalten, weder für den Spieler noch den Zuschauer.

Um es moderner auszudrücken: Wem es zu blöd ist, die Arbeit des Spielheldens selbst zu erledigen, kann das dank „Let’s Play“ outsourcen. Das virtuelle Abenteuer virtualisiert. Virtueller wird es nur noch, wenn man einen Artikel darüber liest, wie jemand Videos geschaut hat von jemandem der ein Computerspiel gespielt hat…

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