Marshall McLuhan

Marshall McLuhan (1911-1980) war ein Geisteswissenschaftler, der sich mit Medien und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft beschäftigt hat. Er gilt als der Begründer der Medientheorie.

Er hat zwei Begriffe erfunden, die sich bis heute gehalten haben und immer wieder gerne verwendet werden: „Das Medium ist die Botschaft“ und „das globale Dorf„.

„Das Medium ist die Botschaft“ ist eine extrem verkürzte Zusammenfassung der eigentlichen These McLuhans:
Das Medium verändert die Gesellschaft viel stärker als die einzelnen Botschaften (Nachrichten), die mit dem Medium übermittelt werden.

Mit der Veränderung der Gesellschaft meint er, dass neue Medien die Wahrnehmung verändern. Ein Beispiel: Vor der Erfindung des Buchdrucks wurde ein großer Teil der Informationen direkt von Mensch zu Mensch weiter gegeben. Der Informationsaustausch war praktisch immer eine soziale Interaktion. Das neue Medium Buch hat einen ganz anderen Charakter: Es ist massentauglich. Information ist kein knappes Gut mehr sondern kann günstig reproduziert werden. Information wird visuell, während zuvor auch andere Sinne angesprochen wurden. Und: Auch wenn man sich natürlich über Texte austauscht, liest doch jeder für sich allein. McLuhan zieht daraus den Schluss, dass die Drucktechnik das Visuelle und den Individualismus fördert und prägt.

„Das globale Dorf“ (The global village). In seinem 1962 erschienenen Buch „Die Gutenberg-Galaxis: Das Ende des Buchzeitalters“ schreibt McLuhan, dass Bücher durch elektronische Medien abgelöst werden. Damit würde dann auch eine Abkehr vom Individualismus und der visuellen Kultur einhergehen. Durch die neuen Möglichkeiten werden Sprechen und Hören wieder mehr in den Vordergrund treten. Dies würde eine neue Form der Kultur mit sich bringen, die er „das globale Dorf“ bezeichnet. Individualität würde zurückgedrängt und ein Bewusstsein für globale Verantwortung gestärkt. Sein Entwurf der elektronischen Medien beschrieb in gewisser Weise das Internet, 30 Jahre vor dessen Erfindung. Für viele gilt er daher als Visionär.

McLuhan musste sich vielfach für seine Ideen rechtfertigen. Vor allem wurde ihm vorgeworfen, unsachgemäß zu vereinfachen und den Begriff „Medium“ zu überdehnen. Klarstellen musste er auch, dass er seiner Zukunftsvision keineswegs positv gegenüber stand.

Und heute? In den modernen Medienwissenschaften haben sich die beiden vorgestellten Thesen nicht gehalten. Allerdings üben sie nach wie vor große Anziehungskraft aus, und wenn ein neues Medium hinzukommt – wie jüngst die Smartphones – dann wird wieder bei McLuhan nachgelesen.


Quelle: SWR 2 Wissen, Wikipedia, MarshallMcLuhan.com

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