Podcasts der Woche – Tennis und Partnerbörsen

BBC Documentaries – The Great Tennis Fix

Der BBC und das Onlineportal Buzzfeed haben von einem Whistleblower Informationen erhalten, wonach Tennisspiele manipuliert worden sein sollen, um dann mit Wetten auf den vorher ausgemachten Sieger hohe Gewinne zu erzielen. Viele Zeitungen berichten darüber, aber die meisten beschränken sich darauf, darüber zu spekulieren, welche Tennisspieler auf den ominösen Betrugslisten stehen. Bessere Informationen bietet diese Podcastsendung. Der Reporter Simon Cox ist nämlich derjenige, der die Unterlagen des Whistleblowers erhalten hat, über die jetzt diskutiert werden. In diesem Podcast fasst er zusammen, was er weiß.

Normale Buchmacher bieten Wetten an und die Wettkunden können die Wetten annehmen oder nicht. Anders ist das englische Online-Wettportal Betfair: Hier werden Wetten gehandelt. Jemand stellt eine Wette ein in der Art: „Ich setze 1.000 EUR auf den Sieg von Roger Federer und ich erwarte im Gewinnfall 1.100 EUR“. Wer der Meinung ist, dass Federers Gegner gewinnt, kann die Wette eingehen. Betfair tritt selbst nicht als Wettanbieter auf, sondern wickelt den Handel ab und übernimmt die Auszahlung, je nach sportlichem Ergebnis.

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Von HSV25Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Den Mitarbeitern von Betfair fiel auf, dass bei einer einzigen Partie in einem kleinen Turnier im polnischen Sobot Wetten für mehr als 7 Millionen Dollar abgeschlossen wurden. Das ist das 10fache dessen, was üblicherweise gesetzt wird. Damals spielte Nikolai Dawydenko, Nummer 4 der Weltrangliste, gegen die Nummer 76, Martín Vassallo Argüello. Dawydenko war trotz einer Verletzung der Favorit, gewann den ersten Satz mit 6-2 und lag im zweiten Satz vorne. Trotzdem wurden von nur zwei Accounts aus den USA mehr und mehr Wetten angeboten, die auf einen Sieg von Argüello ausgerichtet waren. Klar, dass sich genug Spieler fanden, die auf den Favoriten setzten. Betfair entschloss sich dazu, den Handel zu stoppen und allen Wetthändlern ihre Einsätze zurück zu geben. Ein Teil der Wetten war bereits ausbezahlt. Die ganze Vorfall wurde an die ATP (Association of Tennis Professionals) gemeldet.

"Martín Vassallo Argüello" by Esther Lim - Martín Vassallo Argüello. Licensed under CC BY-SA 2.0 via Commons.
Martín Vassallo Argüello“ by Esther LimMartín Vassallo Argüello. Licensed under CC BY-SA 2.0 via Commons.

Diese leitete eine Untersuchung ein. Weil man selber keine Experten hatte, wurden Ermittler aus der englischen Pferderennvereinigung (British Horseracing Authority) mit der Untersuchung beauftragt. Die Ermittler befragten die Veranstalter, Schiedsrichter, Trainer und Spieler. Einer der Ermittler berichtet im Podcast, dass er mit Hilfe eines Experten Kurznachrichten wiederherstellen konnte, die Argüello zwei Tage vor der Befragung von seinem Telefon gelöscht hatte. Fest steht, dass Argüello am Tag des Matches Kontakt zu einem sizilianischen Wetter hatte, der während des Spiels etwa 300.000 EUR gewann. Trotz der Untersuchungsergebnisse wurden die beiden Spieler nicht von der ATP geahndet.

Es scheint, als wären die aktuellen Enthüllungen vor allem dem Frust geschuldet, den die Ermittler haben: All die Arbeit, die in die Untersuchungen geflossen sind, finden keine Beachtung, weil die ATP sich nicht zu mehr Spielersperren durchringen kann.

Quelle: Sendung, Podcast, Artikel

SWR2 Forum – Wie hat das Internet die Partnersuche verändert?: Ein Warenkorb voll Singles

Die Antwort auf die Frage, wie das Internet die Partnersuche verändert hat ist: Gar nicht.

Im Forum diskutierten eine Dating-Expertin, ein Soziologe und ein Singleberater und die Gesprächsleiterin. Diese versucht immer wieder, die kontroverse These ins Spiel zu bringen, dass die Partnerbörsen im Internet die Liebe zu einer Konsumware machten, die Menschen abstumpfen ließen und letztlich beziehungsunfähig machten. Und jedes mal wird das von den Experten als nicht haltbar bis unsinnig zurückgewiesen. Es ist eben nicht so dass „dieses Internet“ die Menschen bei der Partnerwahl verändert.

Der unspektakuläre Stand der Forschung ist, dass sich die Menschen im Internet genauso verhalten wie vorher auch: Die meisten Partner finden sich über das Arbeitsumfeld, gefolgt vom Freundeskreis. Nur 10% finden sich über Partnerbörsen. Und wie früher bei Kontaktanzeigen, bringt das Internet die Menschen nur zueinander. Ob es passt, entscheidet sich beim persönlichen Kennenlernen. Früher musste man zum Tanzen oder auf Dorffeste gehen um dem anderen Geschlecht zu begegnen. Heute geht das etwas zielgerichteter mit Online-Partnerbörsen. Solch eine Börse kostet etwa 50 EUR im Monat. Im Durchschnitt investieren die Teilnehmer zwischen 300-500 EUR, um den oder die Richtige zu finden. Günstige Partnerbörsen zielen eher auf Flirts oder erotische Abenteuer ab. Üblicherweise sind dort die Photos der Teilnehmer vorhanden, während bei Angeboten für längerfristige Partnerschaften Bilder erst nach Freigabe zu sehen sind. Die Gesprächsrunde ging auch auf neue Trends ein, wie die Smartphone App „Tinder“. Sie zeigt eine Liste von Singles in der Nähe an. Mit einem Wisch nach links sortiert man die Person aus, ein Wisch nach rechts bekundet Interesse. Dieser spielerische Umgang sei aber keine Partnersuche, eher ein Austesten des eigenen „Marktwertes“, waren sich die Diskutanten einig.

Es ist schön zu sehen, dass all die Vorbehalte von Personen, denen  „dieses Internet“ immer noch suspekt ist, komplett haltlos sind. Je mehr man sich mit dem Thema Partnerbörsen auseinandersetzt, um so unaufgeregter wird es. Denn: Auch das Internet bringt nicht den perfekten Partner auf Knopfdruck.

Quelle: Sendung, Podcast

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