The Daily Show, Last Week Tonight und die heute show

Seit 1999 ist Jon Stewart der Gastgeber der „Daily Show“ im amerikanischen Fernsehen. Die Sendung ist ein satirischer Tagesrückblick im Format einer Late Night Show.

Bei der Daily Show verschwimmen die Grenzen zwischen Comedy, politischem Kabarett und Late Night Show. In einigen Untersuchungen wurde der Daily Show sogar ein höherer Informationsgehalt zugeschrieben als den regulären Nachrichtensendungen.

Medienkritik. Jon Stewart ätzt in seiner Sendung über den Sender Fox News. In einem Interview sagte er, dass Fox News eine politische Organisation in Gestalt eines Nachrichtensenders ist. [Jeder, der Fox News schon einmal gesehen hat, weiß, dass dort aggressive Meinungsmache betrieben wird, bis hin zu direkten Aufrufen wie „in 160 Tagen wählen wir Bush“.]

Die Fox Sendung „the O’Reilly Factor“ ist bei der Daily Show besonders oft Zielscheibe von Spott. Bill O’Reilly diskutiert in seiner Sendung mit einem Gast, der in der Regel eine andere Meinung hat und versucht dabei, diesen zu diskreditieren, was ihm oft genug gelingt. Das hat Jon Stewart jedoch nicht davon abgehalten, selbst als Gast bei O’Reilly aufzutreten.

In einer Talk-Sendung von CNN, Crossfire (Kreuzfeuer), zu der er eingeladen wurde, beschuldigte Stewart die Macher, „schlecht für Amerika“ zu sein, weil sie unfähig sind, die Amerikaner über Politik richtig zu informieren und stattdessen schlechtes Entertainment abliefern würden. Gastgeber Tucker Carlson konterte, wenn Stewart so viel über Journalismus wissen würde, solle er doch Dozent an einer Journalistenschule werden, worauf Stewart antwortete: „Und Sie sollten eine besuchen“. – „Sie sind nicht lustig.“ – „Ich mache mich nicht für Sie zum Affen“. Stewart ging noch weiter und sagte, er wäre als Zuschauer der Sendung genervt von der schlechten Qualität und würde sich wünschen, dass die Sendung eingestellt würde. Alle Gegenargumente der beiden Gastgeber konnte er entkräften und führte die Moderatoren in ihrer eigenen Show vor. Der Imageschaden, den CNN durch diesen Auftritt erlitt, war groß. Die Einschaltquote sank um 10%. Crossfire wurde abgesetzt.

Auch die CNBC Sendung „Mad Money“ bekam während der Finanzkrise 2008 ihr Fett weg: Stewart zeigte Ausschnitte der Sendung, bei der der Gastgeber Jim Cramer sechs Tage vor der Pleite der Investmentbank Bear Sterns noch sagte, dass Erspartes dort „sicher“ sei. Eine Woche lang war Mad Money im Fokus der Daily Show. Cramer trat sogar als Gast bei Jon Stewart auf und musste zugeben, dass seine Sendung nicht genug der journalistischen Pflicht zur Recherche nachgekommen sei. Sie hätte ihren Beitrag dazu leisten müssen, die Betrügereien durch die Akteure der Wall Street aufzudecken.

Spinoffs. Durch den großen Erfolg der Daily Show wurde 2005 der „Colbert Report“ gestartet, eine satirische Abrechnung mit dem O’Reilly Factor.

Seit April 2014 ist der Engländer Jon Oliver mit seiner Show „Last Week Tonight“ gestartet. Als Ausländer hat er den Blick des Außenseiters und ruft auch zu politischen Aktionen auf. So rief er die Zuschauer auf, ihrem Unmut im Streit um die Netzneutralität durch E-Mails an die zuständige Behörde Luft zu machen. Deren Server brach unter dem Ansturm zusammen.

[In der Debatte um die Netzneutralität geht es darum, dass die amerikanischen Netzbetreiber Internetangebote der Konkurrenz mit geringerer Geschwindigkeit übertragen haben. Dadurch wurden Dienste wie Videostreaming unmöglich. Jon Oliver machte in seiner Sendung auf witzige Art deutlich, dass hier zwei Firmen, Comcast und Verizon, den Markt unter sich aufgeteilt haben, und jetzt versuchen, mit Hilfe von Lobbyisten zu verhindern, dass ihr Kartell eingeschränkt wird. ]

Und in Deutschland? Oliver Welke hat seine „heute show“ nach dem Vorbild der Daily Show aufgebaut. Allerdings ist seine Kritik nicht so scharf und bissig wie beim Original. Es werden stattdessen Schimpfwörter und Beleidigungen eingesetzt. Und anders als Jon Stewart ist bei Welke keine politische Agenda zu bemerken, es bleibt bei der Empörung. Schade.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.