Jean Baudrillard

Das Hauptwerk des französischen Philosophen Jean Baudrillard (1929-2007) ist die Simulationstheorie. Erstaunlicherweise ist diese – wenn auch etwas im Verborgenen – bis in die Popkultur vorgedrungen. Im Film „Matrix“ gibt es Anspielungen auf Baudrillard.

Worin besteht nun die Theorie? Beispiel: Der Kauf eines Geländewagens (SUV) verkörpert Freiheit, Abenteuer. Allerdings liegt das Problem genau darin. Das Auto steht für das Abenteuer, man erlebt keines damit. Anstatt also auf die Suche nach einem wirklichen Abenteuer zu gehen, hat man einen Ersatz, die Simulation. Somit befördert der Konsum, dass an die Position des Originals ein sog. Simulakrum (echtes/virtuelles verwandtes/ähnliches Ding) tritt. Da auch die Zuschauer die Symbole verstehen, die mit dem Kauf und dem Besitz (dem Konsum) verbunden sind, wird der Effekt noch verstärkt. Die eigentliche Anschaffung tritt in den Hintergrund – denn, würde es nur ums Fahren alleine gehen, ist der SUV oder der exklusive Sportwagen sicherlich eine unsinnige Wahl. Am Ende stehen alle im gleichen Stau. Und welcher Fahrer bringt seinen Geländewagen denn wirklich ins Gelände?

So gesehen hat er Recht wenn er behauptet, dass der Wert eines Gegenstandes als Zeichen entkoppelt wurde vom Wert als Gebrauchsgegenstand.

Bis hierher scheint die Theorie nur eine Variante der Konsumkritik zu sein. Baudrillard bringt das Prinzip jedoch noch weiter:

Zum einen blockieren sich die Menschen durch die Beschäftigung mit Konsum selbst. Wer ständig konsumiert, macht keinen Ärger und setzt sich nicht kritisch mit der Welt auseinander.

Zum anderen gilt: Wenn der Gebrauchswert immer weiter in den Hintergrund tritt, spielt er irgendwann gar keine Rolle mehr. Es wird z.B. etwas angeschafft was nie benutzt wird. Am Ende wird das Zeichen, welches dem Gegenstand anhaftet, zum eigentlichen Selbstzweck.

Die bisher am weitesten fortgeschrittene Steigerung dieses Prinzips sind die virtuellen Welten von Computerspielen. Hier ist alles simuliert, auch die Erfolge, die man als Spieler erringen kann. Gegenstände sind virtuell, ihr tatsächlicher Gebrauchswert ist nicht existent.

So viel für heute, die Gilde ruft; ich muss jetzt zum Raid


Quelle: SWR2 Wissen – Jean Baudrillard und die Kultur der Simulation

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